Abgase aus dem Straßenverkehr beeinträchtigen die globale Erwärmung stärker als die von Schiff, Flugzeug oder Bahn verursachten. Das behaupten Wissenschaftler vom Zentrum für internationale Klima- und Umweltforschung in Oslo in einer Studie, die in der Fachzeitschrift “Proceedings of the National Academy of Sciences” (PNAS) veröffentlicht wurde. Bei der Untersuchung des kurz- und langfristigen Einflusses der Transportabgase berücksichtigten sie neben dem CO2 auch alle anderen bekannten klima-relevanten Komponenten. Sie orientierten sich dabei an den Folgen der globalen Abgase auf das Klima und werden diese Ergebnisse in einem Folgeprojekt auf die Auswirkung pro Passagierskilometer umrechnen.
Klimasünder Nummer eins am Transportsektor ist nach dieser Betrachtungsweise der Straßenverkehr. “Er hat einen besonders dominierenden Effekt auf die Temperatur, sowohl kurz- als auch langfristig”, betont Studienleiter Jan Fuglestvedt. Der Abgasausstoß im heutigen Straßenverkehr führe sowohl heute als auch noch in 100 Jahren zu einem Temperaturanstieg, der den vom Flugverkehr verursachten sechsmal übertreffe. “Grund für diese langfristigen Folgen ist der mengenmäßig weit höhere Treibstoffverbrauch und der höhere CO2-Ausstoß”, so Fuglestvedt. In diesem Licht sei der globale Anstieg der Autozahl besonders besorgniserregend.
Im Gegensatz dazu weisen die Abgase aus dem Flugverkehr vor allem kurzfristige Effekte der Klimaerwärmung auf. Die Ursache dafür ist der hinterlassene Wasserdampf in Kondensstreifen und Federwolken. Der Flugverkehr sei zwar schuld an zwei bis drei Prozent des gesamten vom Menschen verursachten CO2-Ausstoßes, doch müssen laut Studie auch Effekte außerhalb kausaler Zusammenhänge berücksichtigt werden. Zumindest kurzfristige Kühlung bringt laut Studie der Schiffsverkehr. Schiffsabgase enthalten große Mengen Schwefeldioxid (SO2) und Stickoxyde (NOx). Diese bewirkten im Zeitraum von 30 bis 70 Jahren eine Kühlung, doch darüber hinaus eine Erwärmung aufgrund des hohen CO2-Ausstoßes.
Die Wissenschaft habe noch sehr wenig Einblick in die Wechselwirkung der Abgase mit der Temperatur, sagt Fuglestvedt. “Diese Unsicherheit muss durch mehr Forschung verringert werden.” Untersuchungen der Auswirkung des Transports auf das Klimas müssten nicht nur die Abgasmengen, sondern auch die Reaktion der vielfältigen Abgaskomponenten miteinander und mit dem Klima berücksichtigen. Diese Komponenten hätten zu verschiedenen Zeitpunkten sowohl zur Erwärmung als auch zur Abkühlung beitragen. Derzeit wird diskutiert, ob die Abgase aus Schifffahrt und Flugverkehr in ein Kyoto-Nachfolgeprotokoll aufgenommen werden sollen.

Wasserdampf hat den stärksten Einfluss aller Treibhausgase auf die Klimaerwärmung, zeigen aktuelle Satellitendaten der NASA. Damit bestätigt sich ein Zusammenhang, den Meteorologen schon bisher vermutet und durch verschiedene Bodenmessungen nachgewiesen haben. Wasserdampf in der Atmosphäre fängt die von der Erde abgehende Hitze ab und bewirkt dabei eine bis zu doppelt so starke Erwärmung der Atmosphäre als dies durch die steigende CO2-Konzentration geschieht, so die Messdaten. Veröffentlicht wurden diese Ergebnisse in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letter.
“Wasserdampf bildet sich in erster Linie über tropischen Seen und Ozeanen”, erklärt Herbert Formayer vom Wiener Institut für Meteorologie. In den Tropen sei der Treibhauseffekt jedoch gering, da hier der Dampf zu Wolken gebunden wird und als Regen wieder zur Erde fällt. Zu tatsächlicher Erwärmung führe der Wasserdampf daher in kalten und trockenen Regionen wie an den Polen. “Der direkte Beitrag des Menschen zum Wasserstoffausstoß geschieht in geringen Maßen über Industrieabgase und durch den Flugverkehr, da die Abgase der Flieger in den betroffenen Höhenschichten erfolgen”, so der Wiener Meteorologe. Weitaus entscheidender für die Verdunstung, die zur Wasserdampf-Bildung führt, sei jedoch die ansteigende Temperatur.
Zur Messung des Wasserdampfs ermittelte ein NASA-Satellit durch ein Infrarotsystem den Feuchtigkeitsgehalt der Troposphäre, wie die unterste Schicht der Atmosphäre heißt. Kombiniert mit Daten der globalen Temperaturveränderung erlaubten diese Beobachtungen ein flächendeckendes Bild vom Zusammenspiel zwischen Wasserdampf, Kohlendioxid und anderen Gasen, die an der Erwärmung der Atmosphäre beteiligt sind. Bisherige Angaben des globalen Wasserdampfgehalts hatten auf Schätzungen beruht, da die zuvor angewendeten Messungen nicht alle Höhenlagen der Troposphäre vermessen konnten. Durch die Erkenntnisse des Zusammenspiels der Feuchtigkeit mit der Temperatur konnte die durchschnittliche Stärke der durch Wasserdampf entstehenden Wärmerückkoppelung berechnet werden. Sie ist laut Angaben fast doppelt so hoch wie die durch die CO2 verursachte Erwärmung.
“Die Daten zeigen, dass bei Erhöhung der Oberflächentemperatur die Feuchtigkeit der Atmosphäre ansteigt”, fasst Andrew Dessler von der Texas A&M University die Auswertung der Messungen zusammen. Wasserdampf verstärke auch die Erwärmungseffekte anderer Treibhausgase, so wie die Erwärmung durch das gestiegene CO2 erlaube, dass mehr Wasserdampf in die Atmosphäre dringt. “Mit größerer Sicherheit kann man nun behaupten, dass der Wasserdampf am Ende des Jahrhunderts zu einem Temperaturanstieg im Bereich mehrerer Grade führen wird”, so der US-Forscher abschließend.
